Das Aufnahmsgebäude der heutigen Haltestelle "Unterwaltersdorf" liegt an der 1871 eröff­neten Strecke Gramatneusiedl - Wampersdorf - Wiener Neustadt, die eine wichtige Verbindung zwischen der Ostbahn und der Südbahn herstellte.


Das Aufnahmsgebäude ist ein eingeschossiger, traufständiger Bau mit Satteldach und Zwerchgiebeln über den mittleren Fensterachsen der Gleis- und Straßenseite.


Im Typus entspricht der Bau einem "Aufnahmsgebäude III. Classe” der Hochbauormalien, die erstmals 1855/56 von Wilhelm Flattich für die Österreichische Staatseisenbahngesellschaft entwickelt wurden.


Die charakteristische Grund- und Aufrißdisposition ist am Unterwaltersdorfer Aufnahmsgebäude in fast vollständig originaler Form überliefert.


Der querrechteckige Bau wird von der Straßenseite her über die Mittelachse erschlossen. Das querrechteckige Vestibül, ursprünglich über eine Pfeilerstellung gegen den dahinter gelegenen Raum geöffnet, ist heute durch eine Mauer von diesem getrennt.


Vom Vestibül aus gelangt man rechts in eine Dienstwohnung, links in einen den Fahrgästen vorbehaltenen öffentlichen Teil mit den Warteräumen. Auch die Gestaltung des Außenbaues entspricht bis ins Detail dem von Flattich erarbeiteten Typus, für den die beiden Zwerchgiebel als Betonung der Mittelachsen einen charakteristischen Akzent setzen.


Die vierteiligen Kastenfenster mit ihren Holzläden sind in Unterwaltersdorf ebenso vorhanden wie die bogigen Überlager der Fenster, die Holztüren mit Glaseinsätzen und die Rundfenster in den Giebelfeldern.

 

Auch an den Stirnseiten des Gebäudes ist die originale Erscheinungsform weitgehend erhalten geblieben.

 

Das Gebäude befindet sich - mitsamt seinen baulichen und gestalterischen Details -insgesamt in einem nahezu unveränderten Zustand und ist damit wohl das letzte authentisch überlieferte Aufnahmsgebäude seines Typus sowie ein bedeutendes Denkmal der österreichischen Eisenbahngeschichte.